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2007 taucht eine erste Idee auf, in Volksdorf eine...
Eine Sammlung von Beiträgen von Volksdorfern, die seit Beginn in der Gruppe der Kunstspuren aktiv sind, erzählt über die Entstehung aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Wie kam es zu den KUNSTSPUREN VOLKSDORF? Ein Abriss. Niedergeschrieben 2014-16
Vorgeschichte
Erinnerungen von Dietrich Raeck
1983 sollte mal wieder ein ortstypisches Wohnhaus in Volksdorf abgerissen werden. Das konnte ich mit einem Freund
nicht verhindern. Klar. Aber das nächste wollten wir retten! Als wir von dem Heimatforscher Alf Schreyer (1915-1993)
erfuhren, dass der Abriss der ehemaligen Schulkate von Volksdorf (Standort nun in Ohlstedt) kurz bevorstehe,
engagierten wir uns – und tatsächlich, wir bekamen die Chance, das alte, reetgedeckte Fachwerkhaus zu bergen. 42
Freunde halfen stunden- oder tageweise beim Abtragen, Transportieren und Einlagern > Näheres s. www.schulkate.de
unter "Historie".
1990 stand die Schulkate wieder in Volksdorf, neben dem Museumsdorf. Unten vermietet an den EULENKRUG, unterm
Dach veranstaltete die „Augenweide“ aus Bergstedt einige Jahre lang in einer Herbstwoche einen
Kunsthandwerkermarkt der besonderen Art. Angebot und Ambiente waren unüblich und herausragend.
Immer wieder auf der Suche nach Veranstaltungen in der Schulkate, wollte ich nach Jahren den Kunsthandwerkermarkt
wiederbeleben.
Da ich ein Anhänger von Vernetzungen bin, sprach ich am 7. November 2004 Bärbel Krämer (KunstKate/Unikat,
Eulenkrugstraße 60-64, Ecke Holthusenstraße, dort u.a. Kunsthandwerkermärkte, Kunstausstellungen) wegen der Idee
einer Kunstmeile „von Kate zu Kate“ (Schulkate – Museumsdorf – Unikat in der Ferck'schen Kate) an.
Auch mit Kerstin Kretschmer nahm ich Kontakt auf. Sie hatte als Volksdorfer Künstlerin bereits mit Karsten Grote
Malkurse in der Schulkate geleitet. Wir trafen uns am 15. Januar 2007 wegen der Idee einer „Dorfpartie der
Kunstschaffenden“ (aus o.g. Kunstmeile könnte einmal die „Historsche Achse Volksdorfs“ vom Mahr'schen
Hof/Lerchenberg über die Räucherkate, Liebermann'sche Villa, Schulkate, Museumsdorf bis zur Ferck'schen
Kate/KunstKate entstehen).
Bei unserem ersten Gespräch zu dritt am 22. Januar 2007 suchten wir einen Weg zur Verwirklichung. Doch musste
Bärbel Krämer aus persönlichen Gründen Abstand von unserem Projekt nehmen. Zu zweit arbeiteten wir weiter.
Unsere erste Idee „von Kate zu Kate“ bekam später eine weitere Richtung, die „Kulturmeile-Volksdorf“, die es seit 2010
in Volksdorf gibt. Und wegen der Idee, einen gemeinsamen Veranstaltungskalender für Volksdorf zu gestalten, liefen
bereits Gespräche im Koralle-Bürgerhaus u.a. mit Ernstwalter Clees vom „Kulturkreis Walddörfer e.V.“ (KKW) und mit
mir vom „Verein Schulkate Volksdorf e.V.“ Alle Ideen fügten sich zu einer neuen Richtung zusammen – der „Kunst in
Volksdorf“ mit offenen Ateliers von Künstlern und Kunsthandwerkern, aus der die „Kunstspuren Volksdorf“ wurden. Ganz
wichtig war uns, eine Gruppe zu sein, die sich ohne Leitung in Eigenverantwortung und Mitarbeit aller Mitglieder
organisiert und weiterentwickelt. Wir wollten Individualitäten zusammenbringen, den kollegialen Austausch fördern,
zusammen gemeinsame Projekte gestalten. Alles das erarbeiteten wir neben unseren Ausstellungen in langwierigen
Prozessen und hielten es in unseren Leitgedanken 2011 fest. Wir kamen zu der Erkenntnis, dass unsere Kunstspuren
nur leben, wenn wir alle sie aktiv gestalten, uns gegenseitig mit Nachsicht und Wohlwollen behandeln und uns in Stärken
und Schwächen respektieren. So sind wir heute eine erfrischend lebendige Gemeinschaft.
Winter 2007 – die Kunstspuren entstehen
Erinnerungen von Kerstin Kretschmer
Als Dietrich Raeck mich Anfang 2007 fragte, ob ich mit ihm gemeinsam Ideen entwickeln möchte für eine „Dorfpartie der
Kunstschaffenden“, war meine Antwort ein klares JA! Bereits 2001 hatte ich mit Helga Nickol über eine
Zusammenführung von Volksdorfer Künstlern nachgedacht, und so war der Boden für eine fruchtbare Weiterentwicklung
bereits geebnet. Die ersten Treffen fanden ca. 14-tägig bei Birgit Best statt, die zu diesem Zeitpunkt noch in der
Keramikwerkstatt Monika Maetzel tätig war. Unsere Vorstellung, noch im selben Jahr mit einer Veranstaltung starten zu
können, stellte sich sehr schnell als zu ambitioniert heraus. In einer zunächst kleinen Gruppe erarbeiteten wir mit viel
Elan ein erstes Konzept – neben Dietrich Raeck, Helga Nickol, Birgit Best und mir waren außerdem mit dabei Birgit
Kwiatkowski, Torsten Kleinicke sowie Ernstwalter Clees vom „Kulturkreis Walddörfer“. Die Kernpunkte waren schon
damals, das Miteinander zu fördern und Qualität vor Quantität zu setzen. So machten wir im August 2007 den ersten
Schritt an die Öffentlichkeit und riefen über das HEIMAT ECHO unsere (uns noch unbekannten) Künstlerkollegen auf,
sich bei uns zu melden. Die Resonanz war sehr positiv. Es meldeten sich Kerstin Carbow, Karsten Grote, Ulrike Bahl
u.a.m. Den Vorstellungsrunden in der Volksdorfer Schulkate folgten schon bald konkrete Maßnahmen für die ersten
offenen Ateliers und Werkstätten im September 2008.
Zunächst die Leitung für die erste Veranstaltung der Projektgruppe Kunstspuren Volksdorf zu übernehmen, war eine
große Herausforderung für mich! Ungewohnte Aufgaben warteten und auch einige Grenzerfahrungen, Schwierigkeiten,
Reibungspunkte … Aber die gestalterischen Ergebnisse, der gute Start und das stückweise Kennenlernen von
Künstlerkollegen sprechen für sich, und ich empfinde es als bereichernd, dass dieses Projekt möglich wurde und
weiterhin existiert!
Die Kunstspuren haben sich etabliert, entwickeln sich weiter. In einem lebendigen Prozess treten wechselnde
Kleingruppen an die Stelle einer Leitungsgruppe und jeder Einzelne übernimmt ein Stück Verantwortung. Das
Miteinander in der Gruppe wächst, wie auch die Freude daran, was gemeinsam möglich ist. Das ist meine Beobachtung.
Erinnerungen von Helga Nickol
2001 stellten Kerstin Kretschmer und ich unsere Arbeiten in der Klosterruine Arendsee aus.
Dabei sprachen wir, meiner Erinnerung nach, auch über eine mögliche Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und
Kunsthandwerkern in Volksdorf. Eine solche hatte schon viel früher, nämlich 1996 im Rahmen einer Ausstellung zur 700-
Jahrfeier von Volksdorf im Spiekerhus stattgefunden. Daran waren u.a. Christel Lorenz-Konradi, Nina Zierott, Maria
Jahnke-Ernst und ich beteiligt. Das Ausstellungskonzept erarbeitete Anke Nickol.Als mich Kerstin Kretschmer 2007 fragte, ob ich mich an einem Projekt zur künstlerischen Zusammenarbeit beteiligen
wollte, sagte ich sehr gern zu. Für die nicht so beliebte, doch wichtige Arbeit des Kassenwarts konnte ich Anfang 2008
meinen Nachbarn Harald Buchholz gewinnen.
Wir wollten die Mitgliedschaft zur Gruppe auf Volksdorf beschränken, um uns näher kennenzulernen, Ziele zu setzen, ein
Konzept zu erarbeiten, auf unsere Arbeit aufmerksam zu machen, was im Mai 2008 bei den „Offenen Ateliers“ auch gut
gelang, wie ich meine.
Frühjahr 2007 – die Kunstspuren formieren sich
Erinnerungen von Kerstin Carbow
Im Frühjahr 2007 wurde ich von Kerstin Kretschmer angesprochen, bei einem Zusammenschluss von Volksdorfer
Künstlern und Kunsthandwerkern mitzuwirken. (Wir kannten uns bereits von Ausstellungen bei Bärbel Krämer in der
Galerie Unikat.) Wenig später folgte die schriftliche Einladung zu einem Treffen in der Schulkate. Die Resonanz unter
den Volksdorfer Kunstschaffenden war groß, und schon bald waren die Kunstspuren als Untergruppe des Kulturkreises
Walddörfer ins Leben gerufen. Jedes Mitglied übernahm nach eigenen Vorlieben und Fähigkeiten verschiedene
Aufgaben. So entwarf ich als Kalligraphin unseren Schriftzug, den Ulrike Bahl dann in das endgültige Logo mit den
markanten Farben verwandelte.
Da ich gut organisieren kann und darüber hinaus gerne in einem Team arbeite, wirkte ich bereits im zweiten Jahr in der
Vorbereitungs- und Organisationsgruppe zusammen mit Kerstin Kretschmer und Dietrich Raeck mit. Daraus entwickelte
sich eine fruchtbare Zusammenarbeit, auch gemeinsam mit Karsten Grote bei der Gestaltung der Broschüren. Bei der
zweiten Biennale im Jahre 2010 übernahm ich federführend die Organisation und Durchführung der Ausstellungen in der
Hamburger Sparkasse. Dazu kamen jährlich wechselnd unsere Gemeinschaftsausstellungen u.a. in der
Ohlendorff´schen Villa und in der Kirche am Rockenhof. Bis heute macht mir diese Arbeit besonders viel Freude.
Die Vernetzung bringt uns Künstler aus Volksdorf zusammen, lässt mit vereinten Kräften größere Projekte entstehen, die
der Einzelne in dieser Art nicht leisten könnte. Darüber hinaus entstehen kollegiale Beziehungen und sogar
freundschaftliche Verbindungen. Wir tauschen unsere Erfahrungen aus, helfen uns gegenseitig bei künstlerischen
Problemen und vermitteln uns manchmal sogar Aufträge. Insgesamt ist ein erfreuliches und kreatives Miteinander
entstanden, das mittlerweile auch bei der Volksdorfer Bevölkerung große Resonanz erfährt.
Erinnerungen von Nina Zierott
Im Juni 2007 sprach mich Dietrich Raeck auf eine Initiativgruppe „Kunst in Volksdorf“ an, die er zusammen mit Kerstin
Kretschmer und anderen gebildet hatte. Ziel dieser Gruppe war es, „Künstlerinnen und Künstler miteinander ins
Gespräch zu bringen und ihnen eine Plattform zu schaffen, auf der sie sich und ihre Kunst präsentieren können.“
Dies interessierte mich und ich schloss mich der Gruppe an.
Knapp drei Jahrzehnte hatte ich überwiegend allein meine Bilder ausgestellt, sowohl im Spiekerhus, im eigenen Garten
vor dem Hintergrund historischer Rosen, als auch bei den Offenen Ateliers, die der Berufsverband bildender Künstler für
seine Mitglieder organisierte. In diesem Zusammenhang stellte ich auch erstmalig gemeinsam mit Volksdorfer Künstlern
1996 zur 700-Jahr-Feier Volksdorfs im Spiekerhus aus.
Ausstellungsangebote von Galeristen (Hochhuth, Ruth Sachse) hatte ich jeweils abgelehnt, um unabhängig zu bleiben.
Nun habe ich an allen Ausstellungen der Kunstspuren teilgenommen und schätze es, mit anderen gemeinsam
Veranstaltungen der Gruppe vorzubereiten und zu erleben.
2008 die erste Biennale – die Kunstspuren treten in die Öffentlichkeit
Erinnerungen von Karsten Grote
Ich habe Kerstin Kretschmer kennengelernt, als wir Kurse von einer Kollegin übernahmen, die in der Schulkate
stattfanden: Kerstin = Aquarell, ich = Malerei mit Ei-Tempera. Es gab sogar eine gemeinsame Ausstellung unserer
Teilnehmer. Zu der Zeit war ich noch vollberuflich in einer Werbeagentur tätig, und die Kurse fanden abends unter dem
Titel „Montag-Maler“ statt. Laut einem Artikel im Alstertal-Magazin muss das ca. 1990 gewesen sein. Auf einem Flyer
von Januar1998 hieß das dann „KARMA – Atelier für Kunst & Persönliches Wachstum“ und war bereits eine Malschule
für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ich war inzwischen selbstständig und hatte wöchentlich den ganzen Montag in
der Schulkate dafür gebucht.
Über das Heimat-Echo und Telefonate mit Kerstin erfuhr ich von der Idee der Kunstspuren; ob das schon der Name war,
weiß ich nicht mehr. Seit 2008 bin ich dabei.
Im Herbst 2011 erfuhr ich über einen Aufruf von Ernstwalter Clees an die Kunstspuren, dass noch Leute für den KKW-
Vorstand gesucht werden und kandidierte (meine Entscheidung war unabhängig von den Kunstspuren, aber die
„Vernetzung“ passt ja ganz gut). Im Februar 2012 wurde ich gewählt, im Juni 2014 wiedergewählt.
Erinnerungen von Tobias Heese
Die Kreativität in der Kunst hängt auch von der Vielfalt ab. So kam es, dass sich 2008 Künstler zusammengefunden
haben, um gemeinsam eine Basis für Kunst zu schaffen.
Ein kleines Gründungsteam brachte die Kunstspuren zum Leben.
Mit dem Austausch untereinander kamen Ideen und Unterstützung, sei es Werbung oder die kreative Entfaltung auf
anderen Materialien zustande.
Mit der Vernetzung entstand eine Werbeplattform, die von Volksdorfer Geschäften und Unternehmen finanziell
unterstützt wurden. So konnten hochwertige Kunstspurenflyer hergestellt werden, und die Kunst bekam von nun an
einen neuen Stellenwert - nicht nur in Volksdorf.
2009 – die Kunstspuren sind in Volksdorf angekommen
Erinnerungen von Armin MetzgerMalen, plastizieren, bildhauern, das bedeutet in der Regel: allein zu arbeiten. Man gestaltet, überlegt, ringt, verwirft,
gestaltet neu, ist besessen, enttäuscht, beseelt – und das ist auch gut so, nur so gelingt der Transfer
der Idee aus dem Kopf hin zum Kunstobjekt.
Es ist eine intensive Arbeit am Stein, an der Leinwand und mit Ton, bei der man alles mit sich selbst ausmacht.
Zwischendurch gibt es immer wieder Situationen, da tut es gut, mit jemandem zu sprechen, das Werk zu zeigen, zu
erklären, wo es hakt oder flutscht, wie es einem gerade damit geht.
Manchmal ist es aber auch ganz wunderbar, sich mit Menschen auszutauschen, die ähnlich getrieben sind oder gerade
mal wieder genervt. Vom Keilrahmen, der sich verzogen hat, oder vom Holz, das noch zu feucht ist. Darüber zu reden,
wo es besondere Farben gibt, wie man spezielle Oberflächenstrukturen oder Farbeffekte erreicht und wo gerade eine
gute Ausstellung stattfindet.
Bereits um die Jahrtausendwende habe ich deshalb Künstler in den Walddörfern besucht, mit der Idee, einen
Künstlerstammtisch zu gründen. Damals war die Reaktion leider wenig aufbauend. Also bin ich wieder in mein Atelier
gegangen und habe weitergearbeitet. Bis ich von einer befreundeten Nachbarin, Britta Rodefeld, die ja mittlerweile auch
Mitglied der Kunstspuren ist, erfuhr, dass sich direkt in Volksdorf eine Künstlergruppe gegründet hatte. Sie gab mir die
Telefonnummer von Ulrike Bahl, die mir wiederum die Nummer von Kerstin Kretschmer nannte. Ich rief sie an und stand
beim nächsten Treffen der Kunstspuren im Februar 2009 mit meiner Mappe in der Schulkate. Im Juni nahm ich das erste
Mal an einer gemeinsamen Ausstellung in der Ohlendorff´schen Villa teil und 2010 an den Tagen des offenen Ateliers.
Seitdem fanden viele weitere gemeinsame Ausstellungen in Volksdorf statt. Die Gruppe ist eine Mischung von kreativen
Persönlichkeiten mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten und Begabungen. Mit dem einen oder anderen hat man sehr viel
zu tun, ist sogar befreundet, mit anderen hat man weniger Berührungspunkte.
Aber das Besondere ist: Es gibt keine Konkurrenz. Wir unterstützen uns gegenseitig, geben Tipps und Ratschläge, wenn
gewünscht, organisieren gegenseitige Besuche und Vernissagen. Und sehen uns als Einheit, die es in Volksdorf zu
stärken und zu fördern gilt. Ich weiß von anderen Künstlergruppen, dass das keineswegs selbstverständlich ist.
Volksdorf im April 2016
